Wahrnehmungswahn oder menschliche Wahrnehmung?

Was ist der größte Problemverursacher auf dieser Welt?
Geld? Nein. Macht? Nein. Hass? Nein. Ego? Nein, auch das nicht.
Es ist die menschliche Wahrnehmung.
Klingt langweilig, aber nutzen wir jeden Tag, jede Sekunde.
Nur halt falsch.
Das Dumme daran ist, das unsere Wahrnehmung beeinflusst ist.
Wir sehen nie das, was da wirklich ist.
Wir sehen, was wir sehen wollen oder was wir zu sehen gelernt haben. Verrückt, oder?

Ich muss es noch mal sagen, weil mich das so extrem fasziniert:  
Wir sehen nie das, was da wirklich ist. Wir sehen nur das, was wir gelernt haben zu sehen. Und das finde ich absolut irre. Irre im Sinne von spannend. Obwohl es tatsächlich auch ein wenig irre ist. Aber dazu kommen wir noch.

Wenn du eine Lieblingstasse hast, dann ist deine Wahrnehmung bereits gestört.
Ja, gestört.
Ich weiß, das klingt nicht so schön, aber bei genauem Hinsehen, ist sie das tatsächlich. Denn…

Was braucht es, damit eine Tasse zur Lieblingstasse wird?  
Eine Tasse. Klar.  
Und eine Meinung über diese Tasse.  
Und was ist eine Meinung? Es sind Bewertungen. Und nicht nur negative, auch positive Bewertungen. Es sind Urteile, jeglicher Art, bis hin zu heftigen Verurteilungen. Die meistens selbstverständlich auf sehr dünner Datenlage beruhen.

Ich habe zum Beispiel diese Tasse, wo ein Hundewelpe aufgedruckt ist. Weil ich Hunde liebe. Und weil auf der Tasse ein Hund ist, liebe ich auch die Tasse. Wäre auf der Tasse jetzt eine Spinne abgebildet, würde ich die Tasse hassen, weil ich Spinnen hasse.
Aber beides sind halt Tassen.  
Gefäße. Gefäße in die wir etwas rein gießen können und aus denen wir dann halt trinken. Ich denke, das Prinzip einer Tasse ist klar. Damit hat ja auch keiner Stress. Also so eine Tasse als Tasse zu bezeichnen, das ist ja nicht weiter dramatisch. So können wir super kommunizieren Und das ist eigentlich auch ziemlich cool. 

Mach dir mal bewusst, was unser Gehirn da eigentlich leistet. Diese vielen Begriffe für die Millionen Dinge um uns herum. Alle gespeichert. Irgendwo. Wenn ich Tasse sage, dann weißt du was gemeint ist.
Wenn das jetzt alles wäre, warum ist dann die Kommunikation zwischen uns Menschen so schwer?
Ganz einfach: Weil wir auf das, was ist, noch jede Menge drauf packen. Wir projizieren jede Menge Blödsinn auf das, was da tatsächlich ist. 

Die Tasse ist hässlich, die Tasse ist schön. Aber was hat das wirklich mit der Tasse zu tun? 

Und was jetzt hier im Kleinen gilt, das lässt sich auf alles übertragen. Die Tasse. Die Küche. Die Wohnung. Das Haus. Die Gegend. Das Land. Die Kultur. Die Gesellschaft. Die Menschen. Du und ich. Alles.

Diesen Dingen eine Bedeutung zu geben, das wirkt sich am Ende darauf aus, wie wir uns fühlen. Und dabei ist es egal, ob wir etwas positiv oder negativ bewerten.
Es beeinflusst wie wir uns selber fühlen.
Und wie wir uns in unserem Umfeld erleben.
Wir wir unser Umfeld erleben.
Ob wir uns mit anderen Menschen streiten oder in Frieden mit ihnen leben.
Das gilt im Kleinen, wie im größeren Umfeld. Ganze Völker, die sich hassen, nur weil sie Dinge auf etwas drauf projizieren.
Das ist schon irre. 

Das muss man sich wirklich mal klar machen. Du glaubst, du siehst klar. Verurteilst das, was du siehst. Glaubst, du bist im Recht. Pochst auf dein Recht. Und hast dann Streit provoziert. Dabei fängt alles mit deiner gestörten Wahrnehmung an.
Also wenn das nicht irre ist, was dann?
Das fasziniert mich unendlich!

Es ist eben keine Geschmackssache. Es ist nicht deine Meinung. Es ist deine Interpretation von dem, was da ist. Interpretation. Und wenn wir uns die Tragweite von dieser sogenannten Meinung, die wir über alles haben, mal klar machen: Was hat diese Meinung, also diese Interpretation, die ich über die Tasse und alle anderen Dinge mache, mit Wahrheit und Wirklichkeit zu tun? Und das ist nicht nur bei der Tasse so, das machen wir mit allen Dingen, mit allen Situationen und mit allen Menschen. Und das ist irre.

Wir sind den ganzen Tag damit beschäftigt unsere Meinung und unsere Interpretation auf alles Mögliche drauf zu projizieren. 
Und dann wundern wir uns, warum wir müde sind?
Warum wir nichts gebacken bekommen.
Warum wir uns leer fühlen.
Es ist völlig normal, sich so zu fühlen, wenn wir den ganzen Tag mit Blödsinn im Kopf beschäftigt sind.
Wir fühlen uns dann also schlecht und glauben dann, dass wir etwas machen müssen, um uns besser zu fühlen. Und da gibt es ja auch wieder haufenweise Methoden im Angebot.  Dabei wäre es so simpel:

Wahrheit fühlt sich immer gut an.
Wenn es sich nicht gut anfühlt, dann ist es nicht die Wahrheit.
So einfach. Und doch so schwer. Weil wir die Wahrheit oft gar nicht sehen. Wir glauben nur, dass wir die Wahrheit sehen.
Meine Meinung und deine Meinung sind keine Wahrheiten. Es sind Interpretationen.  
Wahrheit muss für alle wahr sein, sonst ist es keine Wahrheit. 

Das Blöde dabei ist, wenn wir uns wirklich mal mit den Dingen beschäftigen würden und immer weiter und weiter fragen würden. Immer weiter hinterfragen. Dann würden wir irgendwann an einen Punkt kommen – immer – an dem wir uns eingestehen müssten, dass wir keine Ahnung haben.  
Und das ist eine Wahrheit, die niemandem schmeckt. 

Wieso wir in Wahrheit keine Ahnung haben, das klären wir in weiteren Beiträgen, die ich später hier unten auch verlinken werde.

Für jetzt muss das reichen. Wenn du heute deine „Meinung“ mal hinterfragen willst, dann frag dich einfach bei allem, was du wahrnimmst: Was sehe ich gerade wirklich und was denke ich nur darüber? Es sind unterschiedliche Dinge.